Römische Kamille
Die römische Kamille, Chamaemelum nobile (L) ALL., stammt von den Azoren, den Britischen Inseln, Frankreich und der Iberischen Halbinsel und ist aus dem Mittelmeerraum nach Zentraleuropa eingewandert.
Ihre Blüten sind bei der Wildform deutlich in sterile Zungenblüten und
gelbe, zwittrige Röhrenblüten gegliedert und sie gehört somit zur Familie der
Korbblütler, der Asteraceae.
Die kriechende Wuchsform (griech. chamai = am Boden, hingestreckt) lässt erkennen, dass die römische Kamille eine Pionierpflanze ist, die ständig frische Böden besiedelt. Die niederliegenden Triebe beginnen schnell Wurzeln zu schlagen und so zeigt sie uns, daß sie gerne wandern möchte.
Das macht die "Teppichkamille" schwierig in der Kultur, da sie auf dem Feld zur "Tonsurbildung", d.h. im Zentrum des Stockes zur Verkahlung neigt.
Für
den Anbauer bedeutet dies, daß maximal 3 bis 4 Standjahre auf dem Feld
möglich sind, um die Pflanze bei gutem Wuchs zu halten.
Zudem macht ihr teppichartiger Wuchs die mechanische Beikrautbekämpfung sehr zeitaufwendig.
Die
ganze Pflanze hat einen feinen, apfelartigen Geruch (griech. melòn = Apfel) und wird deshalb gerne als Duftrasen gepflanzt.
Die Römische Kamille gilt als Medizinalpflanze, deren getrocknente Blütenköpfchen als
Chamomillae romanae flos. bei Menstruationsbeschwerden und als Karminativum Anwendung finden.
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Chamaemelum nobile 'Plena' |
Zur Drogengewinnung werden überwiegend gefüllt blühende Züchtungen der
Kulturvarietät
Chamaemelum nobile cv. ligulosa
angebaut.
Nachdem sich die Ölschuppen an
der Basis der Zungenblüten und an den Kelchblättern befinden, weisen diese gefüllt blühenden Sorten einen höheren Ölgehalt auf (bis 2,5 % in getrockneten Blüten).
Ernte
Zur Destillation wird das blühende Kraut verwendet, der Erntezeitpunkt liegt somit zur Hauptblüte Ende Juni.
Im Feldanbau kann man bis zu 0,6 kg Pflanzenmaterial von 1 m² ernten.
Destillation
Von 1 Kilo frischen Blüten sind 1 ml Öl zu erwarten. Das heißt, um 1 Liter Öl zu gewinnen, benötigt man 1 Tonne Blüten. Das entspricht einer Anbaufläche von ca. 2000 m².
Der hohe Kulturaufwand und der relativ geringe Ölgehalt bestimmen somit den hohen Preis dieses wertvollen Öles.
Das
ätherische Öl der Römischen Kamille ist im Gegensatz zur Deutschen
Kamille nicht blau, sondern klar bis leicht hellgelb. Da sie den Wirkstoff Matricin nicht enthält, wird beim Destillieren kein Chamazulen gebildet.
Aroma
Der feine Duft des Öles wird vorwiegend durch die funktionelle Gruppe der Ester bestimmt, deren Gehalte ein wesentliches Qualitätsmerkmal darstellen.
Hauptkomponenten sind die Ester Isobutylangelat, Isoamylangelat und Isobutylbutyrat.
In geringen Mengen findet man die Monoterpene wie a-Pinen, b-Pinen und Humulen,
sowie Sesquitepenlactone, die im Besonderen die Familie der Asteraceae auszeichnen.